Sollte man 2025 noch auf Social Media aktiv sein und Instagram, LinkedIn und Co. als (Haupt-)Kanal für sein Marketing nutzen? Ist es nicht klüger, die sozialen Netzwerke zu verlassen und auf eigene Marketing-Plattformen zu setzen? Und wie kann Marketing ohne Social Media aussehen - was sind die Alternativen?
Diese Fragen haben ich mich in den letzten Wochen oft beschäftigt. Nicht nur einmal kreiste mein Finger über dem Löschbutton für meinen Instagram-Account (natürlich eher gedanklich – wir wissen wahrscheinlich alle, dass es für einen endgültigen Social-Media-Abschied nicht mit einem Klick getan ist). Tatsächlich gewagt habe ich den Absprung jedoch nie. Warum das so ist und zu welchem Ergebnis meine Überlegungen geführt haben, erzähle ich dir in diesem Artikel.
Instagram deaktivieren, LinkedIn löschen – bleiben oder gehen?
Dass mich die Frage – Abschied von Social Media, ja oder nein – in diesem Ausmaß umtreibt, ist fast schon ein bisschen witzig. Denn wenn wir in den sozialen Netzwerken miteinander verbunden sind, weißt du sicher, dass ich nicht das fleißigste Posting-Bienchen auf der bunten Instagram-Wiese bin. Meine Reichweite: Dementsprechend mittelmäßig (um es etwas geschönt auszudrücken).
Auch mein Engagement auf LinkedIn (wo ich eine Weile ziemlich aktiv war) ist im Laufe des vergangenen Jahres rasant in den Keller gerauscht.
Auswirkungen auf meine Selbstständigkeit: Gleich null.
Warum sollte ich Instagram und Co. überhaupt eine einzige Träge nachweinen, wenn ich entscheide, meine Accounts zu deaktivieren?

Social Media Marketing: Mein persönlicher Schmerzpunkt
Ob wir danach gefragt haben oder nicht – lange Zeit wurde uns Selbstständigen eingetrichtert: Marketing ohne Social Media, das kann heutzutage nicht mehr funktionieren. Wer Instagram nicht für sein Marketing nutzt, verpasst alle Chancen, Sichtbarkeit für sein Angebot zu generieren. Wer nicht auf LinkedIn aktiv ist, betreibt sein Business nur als Hobby. (Aber was erzähle ich dir, du kennst dieses Blabla sicherlich genauso gut wie ich).
Und ich weiß, viele Menschen funktionieren da anders, aber bei mir haben diese Botschaften schon immer vor allem eines erzeugt: Immensen Druck.
Denn um Social Media als Selbstständige erfolgreich für mein Marketing zu nutzen, soll ich täglich drei Reels posten, jeden Kommentar innerhalb von 5 Minuten beantworten, Tag für Tag mindestens 10 andere Beiträge kommentieren, in meiner Story zeigen, an welch weltbewegenden Projekten ich arbeite, und wenn ich in den Urlaub fahre, sollte ich im Vorfeld meinen Content minutiös für drei Wochen vorplanen.
All das auf meiner Plattform, die mir nicht gehört, die meine Bilder für ihre eigenen Zwecke nutzen darf, meinen Account nach Lust und Laune sperren oder löschen kann, und die Hate, rassistische Kommentare und andere problematische Inhalte in Zukunft nicht einmal mehr moderieren möchte.
Ja Mensch, das klingt ja nach einem richtig guten Deal 🤥
Ich habe schon lange beschlossen, dass ich auf diese Art von Social-Media-Hustle keine Lust habe. Trotzdem beschleichen mich immer wieder die gleichen Gedanken:
„Mit einer durchdachten Instagram-Strategie könntest du erfolgreicher sein“. „Mit mehr Followern würdest du dein Angebot verkaufen wie geschnitten Brot“. „Mit einer größeren Reichweite hättest du dich längst als Expertin für dein Thema etabliert“.
Das schlechte Gewissen? Geht auf‘s Haus.
So ist Social Media in gewisser Weise immer wieder mein Trigger für das Gefühl, nicht genug für mein Business zu tun.

Und es gibt noch mehr Gründe, warum Instagram und LinkedIn mir persönlich überhaupt nicht gut tun:
Ich bin eine passionierte Doomscrollerin, die auf Instagram immer wieder ein neues Rabbit Hole findet, in dem sie versinken kann.
Damit verschwende ich unglaublich viel Zeit, die ich für Sinnvolleres nutzen könnte (und sei es nur ein gutes Buch).
Social Media bringt mich dazu, mich permanent mit anderen zu vergleichen und dadurch schlecht zu fühlen, weil ich natürlich regelmäßig vergesse, dass sich auf Instagram und LinkedIn (vor allem hier!) alle immer nur im allerbesten Licht präsentieren.
Ich lenke mich mit „nur mal kurz gucken, was es Neues gibt“ ständig ab und komme von meinen eigentlichen Aufgaben ab.
Unterm Strich halte ich Instagram und Co. einfach nur für überdimensionale Zeitfresser-Maschinen, die in den überwiegenden Fällen auch noch von Menschen betrieben werden, die ich eigentlich nicht unterstützen möchte.
„Ok Sarah, heul mal leise“, denkst du jetzt vielleicht, und: „Wenn du das alles doch SOOO schrecklich findest, warum löschst du dann nicht wirklich einfach alle deine Accounts?“
Berechtigte Frage – und hier sind die Antworten:
Pure FOMO Ich hasse es, Dinge zu verpassen, und bin der neugierigste Mensch der Welt. Der Gedanke, dass auf Social Media coole Dinge passieren, nachdem ich gegangen bin, bringt mich um. Die Angst, alle Ankündigungen für tolle Events, Angebote usw. zu verpassen, ist schwer zu ertragen. (Ui, das habe ich jetzt sehr ehrlich ausgedrückt).
Meine Kontakte Ich weiß nicht, ob das überall so ist, aber wenn ich, z. B. bei Networking-Events, andere Selbstständige kennenlerne, vernetzen wir uns typischerweise über Instagram. Und ganz ehrlich, mein Netzwerk wäre nicht das, was es ist, wenn ich jedem sagen würde: Instagram? Hab ich nicht, aber abonnier doch mal meinen Newsletter, wenn du mit mir in Kontakt bleiben willst… 🫠 Wie hat man das früher gemacht? 👀
Die Learnings Ja, Instagram nervt oft, ich vergleiche mich ständig und fühle mich regelmäßig schlecht, weil ich mein Unternehmerinnen-Dasein nicht so strukturieren kann, dass ich monatlich 5-stelligen Umsatz einfahre und trotzdem jeden Freitag Me-Time mit Sauna und Massage einplanen kann. Gleichzeitig ist es irre, wie viel ich durch gute Kanäle in so vielen verschiedenen Lebensbereichen dazulernen konnte – und da sprechen wir nicht nur von der Selbstständigkeit, sondern von Politik und Feminismus genauso wie von Ernährung und Kunst. Es fällt mir schwer, zu sagen, ob ich all diese Inhalte so niedrigschwellig woanders herbekomme. Wahrscheinlich nicht.
Die Sucht Ich bin ein typisches Scrolling-Opfer, das abends gemütlich ein Buch lesen, aber vorher nur noch mal kurz durch die Storys schauen will… und dann um 23:59 Uhr das Handy weglegt, um ins Bett zu gehen. Düdüm.
Marketing ohne Social Media – meine Ideen für die Zukunft
Was ist also das Ergebnis all meiner Grübeleien á la „Soll ich Instagram und Co. wirklich löschen, und wann ja: Was ist die Alternative?"
In absehbarer Zeit werde ich mich nicht komplett von Social Media verabschieden. Was ich aber möchte: Meinen Kanälen eine klare Rolle zuweisen – und mein Marketing woanders stattfinden lassen:
Meinen Blog möchte ich in Zukunft als meinen Haupt-Contentkanal aufbauen.
Das macht Sinn, denn während mir die Instagram-Postings oft nur mäßig Spaß bringen, liebe ich es, meinen eigenen Blog mit Leben zu füllen (eine Sache, die ich bisher so intensiv nur für meine Kund:innen gemacht habe). Mit jedem Blogartikel merke ich, wie ich mehr zu mir und dem Blog-Stil finde, mit dem ich hier Zuhause fühle.
Auch mein Newsletter soll eine größere Rolle spielen. Auch wenn bisher nur eine Handvoll Menschen mitliest, merke ich, wie viel Freude es mir macht, meinen kleinen Schreibflow-Newsletter mit Leben zu füllen. Ich habe den Newsletter letztes Jahr spielerisch und komplett ohne Konzept gestartet, mittlerweile habe ich ein grobes Bild davon, wie er künftig aussehen soll – und ich merke, dass sich hier nach und nach mehr Klarheit einstellt. Wenn du Lust hat, kannst du dich hier zum Mitlesen anmelden!
Achtung, jetzt wird es oldschool: Ich möchte wieder mehr offline netzwerken. Ich weiß, viele Selbstständige (und in meiner Wahrnehmung besonders viele Texter:innen) scheuen den Kontakt mit anderen Selbstständigen in der „echten“ Welt, und der Weg von ihrem Bildschirm bis zum Networking-Event vor Ort ist ein großer Sprung aus der Komfortzone, aber ich persönlich liebe den persönlichen Kontakt mit anderen Solo-Selbstständigen. In meinen Augen ergeben sich hier oft die „besseren“, weil intensiveren Kontakte. Und ich persönlich schätze jede einzelne Person, die ich in diesem Rahmen in den letzten Jahren kennenlernen durfte, sehr.
Beim letzten Punkt schließt sich für mich der Kreis und wir kommen zu der Rolle, die ich den sozialen Netzwerken zuweisen möchte: Als Verbindungstool zu anderen Menschen dürfen Instagram und LinkedIn gerne bleiben – und das war ja auch die ursprüngliche Idee der ganzen Sache, oder?
Letzten Endes möchte ich Social Media übrigens nicht komplett verteufeln: Wenn du Spaß daran hast und damit erfolgreich bist – go for it! Ich persönlich darf und muss einsehen, dass es einfach nicht mein Weg ist und ich meine Energie besser an anderen Stellen investiere – in meinen Blog, meinen Newsletter und mein „echtes“ Netzwerk.
Übrigens: Falls du ebenfalls Lust hast, dir in diesem Jahr einen Blog aufzubauen, der dir regelmäßig Kunden bringt, unterstütze ich dich gerne dabei! Schreib mir und lass uns quatschen!
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